Warum sind wir Menschen eigentlich gesellige Wesen, warum brauchen wir die enge Verbundenheit?

Wenn wir die Jahrtausende der Entwicklung unserer Gehirne, unseres Menschwerdens betrachten, können wir zumindest in der Zeit der Sammler und Jäger bereits sogenannte Gruppenverbände erkennen. Bereits in diesen Gruppenverbänden und wahrscheinlich auch schon früher war die Mutterliebe oder der Akt der Lebensrettung von Gruppenmitgliedern als sozialverhalten bekannt.

(Darwins Grundthese vom „überleben der Tüchtigsten“ passt nicht immer)

Die Weitergabe unserer Gene war also nicht allein abhängig davon wie stark, wie schnell wir waren, es war auch damals schon wichtig, wie wir mit unseren Verwandten, Gruppenmitgliedern umgingen. Gehen wir davon aus, dass alle menschlichen Eigenarten und Eigenschaften sich in dieser Zeit herausgebildet haben, also zu einer Zeit, als das von Prof. McLean als Triune Brain (bestehend aus Stamm, Zwischen- und Großhirn) bekannt gewordene Gehirn ausgebildet war (genaugenommen ist das schon ca. 60.000.000 Jahre her, als sich die Primaten auf die Bäume verzogen, es geht hier allerdings nicht um eine wissenschaftliche Abhandlung), war es bereits wichtig in welcher Familie man geboren war, in welcher Gruppe man zur Jagd ging usw.

Unsere Gehirne mussten Probleme lösen, wie die Nahrungsbeschaffung, den / die Lebenspartner finden,  das  Versorgen der eigenen Kinder und die der Gruppe. Man war auf die Kooperation innerhalb der Gruppe angewiesen zur Verteidigung, vor Feinden , wilden Tieren. Diese Überlebensmechanismen, die sich damals entwickelt haben, sind für uns heutigen Menschen immer noch genauso, vielleicht leicht verändert, wichtig.

Die Entwicklung unseres sozialen Verhaltens hat den Anfang bei der Beziehung zwischen Mutter und Kind. Jene Mutter , die es geschafft hat die passende Menge und Qualität an Nahrung für ihre Kinder zu beschaffen oder sie lehrte bei der Gruppe zu bleiben um vor Raubtieren geschützt zu sein, diese Mutter hatte große Chancen, dass ihre Gene weiter gegeben werden. Das Sozialverhalten in der Gruppe war also hier bereits ein wichtiger Faktor. Als die Sprache dazu kam und somit die Kommunikation verbessert werden konnte, kam es auch zu einer Verbesserung der Anpassung an die Umwelt. Je besser nun auch die Kinder das Wesen der Kommunikation verstanden und beherrschten , um so mehr stiegen ihre Überlebenschancen. Das veränderte Sozialverhalten gegenüber dem anderen Geschlecht hatte nun eine noch größere Wichtigkeit bei der Fortpflanzung 🙂

Auch der direktere Bezug zur Verwandtschaft  ging einen Schritt weiter, Respekt und Achtung gegenüber dem Blutsverwandten gingen soweit, dass man das eigene Überleben unter Umständen wegen der Rettung eines Blutsverwandten hinten anstellte. Auch so wuchs die Wahrscheinlichkeit, dass die Gene bzw. Teile davon  überlebten.

Die Stärke der Familie, die Stärke der Gruppe war nun auch davon abhängig, ob man ein eher weiches oder hartes Sozialverhalten hatte. Geschwister aus einer Familie mit einem weichen Sozialverhalten halfen sich in Notfällen eher, als die, aus einer mit einem harten Sozialverhalten, in denen sich die Geschwister nur ungern bis gar nicht unterstützen. So konnte auch hier, wieder auf die Masse gesehen, die Familie ihre Gene überleben lassen, mit dem positiveren Sozialverhalten.

Später kamen nicht nur innerhalb der Familie, der Gruppe sondern auch außerhalb dieser Verbände Uneigennützigkeit, Selbstlosigkeit dazu, was allerdings neue Formen des Sozialverhaltens entwickelte. Das „eine Hand wäscht die andere“ – Prinzip findet sich in allen menschlichen Kulturkreisen (im übrigen auch bei den Primaten). Auf der einen Seite haben wir hier das Problem, dass sich  die Chancen des Gebenden zu überleben verringern, sei es dass man Nahrung hergibt, Vorräte teilt etc. auf der anderen haben wir jedoch den Effekt dass die Überlebenschancen des anderen steigen.

Wie jedoch konnte sich dieses Verhalten über die Jahrtausende und Generationen halten und weiterbilden?

Recht einfach, genauso wie sich Liebe und Vertrauen entwickelt in der Familie, so entwickelte sich dieses in der Gruppe, in der Sippe. Es entwickelt sich also über Blutsverwandte, zu Gruppenmitgliedern, Mitgliedern der Sippe ohne Verwandtschaftsgrad weiter zu anderen Nachbarsippen usw.

Irgendwann allerdings bemerke einer, dass es manchmal eben leichter ist, den Vorteil  dieser Austauschbeziehung zu nutzen und daran teilzuhaben, anstatt sich aktiv daran zu beteiligen. So konnte man mit weniger Aufwand, das gleiche Ergebnis, die Weitergabe der eigenen Gene erreichen.

Das bedeutet nichts anderes, dass der ein oder andere anfing zu mogeln, sich nicht mehr daran hielt, dass eben „eine Hand die andere wäscht“.  Insgesamt waren die Gruppenstärke früher so groß, dass es nicht aufgefallen ist, wenn der eine oder andere nicht ganz das ökonomische Prinzip „verstanden“ hatte.

Nur , die Gruppen wurden kleiner, die Gruppenstärke ging über zur Großfamilie, zur Familie und  es entwickelte sich innerhalb des individuellen Menschen ein Gefühl, ein Algorithmus im Kopf, im Gehirn, der es uns möglich macht, den Mogler über kurz oder lang zu entdecken, zu enttarnen.

Was bei paranoiden Menschen dazu führt, dass sie überall Gefahr und Betrug wittern, hilft den gesunden Menschen, durch ihr „ungutes Bauchgefühl“ dem Mogler auf die Schliche zu kommen. Diese Fähigkeit ist uns angeboren, Baby´s haben eine sehr ausgeprägte Fähigkeit zu erkennen, wem sie vertrauen und wem nicht.

Also, wenn sie sicher stellen möchten, dass man sie so behandelt, wie sie behandelt werden möchten, dann handeln sie auch so.