Haben sie schon mal was von den Körperbautypen nach Ernst Kretschmer gehört?

Ernst Kretschmer wurde 1929 für den Nobelpreis für Psychologie und Medizin nominiert.  Er veröffentlichte 1921 seine Konstitutionstypologie, in der er Menschen grob in drei Typen, den Leptosomen, den Pykniker und den Athletiker einteilte.  Aufbauend auf Beobachtungen und Untersuchungen über Jahre (insgesamt Jahrzehnte), versuchte er Eigenschaften von Menschen mit ihrem Körperbau in Verbindung zu bringen und eindeutige Merkmale mit einem bestimmten Typen zu verknüpfen. Daraus entstanden seine drei Grundtypen. In dieser Zeit entwickelten sich auch die drei Stufen der Temperamentsbezeichnung vom normal-gesunden bis zum psychologisch-krankhaften Menschen.

Dazu kommen noch die sogenannten Mischtypen, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen.

Die Kritik an Ernst Kretschmer war mit Sicherheit in vielen Dingen angebracht, da er letztlich bis zur Erstveröffentlichung nur einige Hundert Probanden untersucht und beurteilt hatte. Zudem untersuchte er in der Hauptsache psychisch kranke Menschen.

Als Grundlagenarbeit jedoch, für die verschiedensten Typologien, waren seine Ansätze sehr wichtig.

Der/die Pykniker ist vom Körperbau grundsätzlich eher rundlich gebaut. Meistens hat er/sie ein rundes Gesicht und eine deutliche Bauchausprägung. Generell gilt er/sie als gemütlich, sympathisch und lässt den Dingen ihren Lauf. Der/die gesunde Pykniker ist „zyklothym“, der kranke meist manisch-depressiv. Hier wechseln sich Phasen aus extremer Energie mit Phasen von hoher Niedergeschlagenheit und Depressionen ab.

Der/die Athletiker ist wirkt eher Muskelbetont, kräftig. Er/sie überdenkt Dinge weniger und entscheidet schneller. Der gesunde Athletiker ist „barykinetisch“ und im kranken Zustand haben wir hier meist Epileptiker, er/sie neigt zu Krämpfen und Phasen vollkommener Abwesenheit.

Der/die Leptosome ist im Körperbau hager, sehnig und hat in Relation recht dünne Gliedmaßen. Im allgemeinen ist sein/ihr Kopf eher klein, er/sie hat einen flachen Bauch und Brust. Er/sie wirkt knochig, setzt kaum Körperfett an und ist „drahtig“. Kretschmar benannte den gesunden Leptosomen „schizothym“, was bedeutet, dass er zu abstraktem Denken neigt, sich mit vielen Details befasst, sehr viel Nachdenkt, also eher ein Kopfmensch ist. Den psychisch-kranken Leptosomen befand er häufig als „schizophren“, da er meist Wahnvorstellungen hatte und bizarre Vorstellungs- und Bewegungsmuster aufwies.

Ein weiterer Mediziner und Psychologie stellte 1942 seine Konstitutionstypologie vor, William Sheldon. Er war in Teilen beeinflusst von der Lehre Kretschmer´s , jedoch ging er empirisch fundierter vor. Er untersuchte eine weitaus größere Anzahl von psychisch gesunden und kranken Menschen und entwickelte sein System in der Form, dass es nicht so starr eingeteilt war.

Bei Sheldon heißen die drei Grundtypen, Endomorph, Ektoderm  und Mesomorph.

Der/die mesomorphe Typ hat einen mächtigen Brustkorb, feste und dicke Haare, Körper in V-Form (Sanduhrform bei Frauen), dicke Haut, markante Wangenknochen und massiver Unterkiefer, langes und breites Gesicht, Fettanlagerungen im Allgemeinen meist nur an Bauch und Hüfte, große Hände und Füße, langer Oberkörper, kräftige Muskulatur und große Körperkraft. Die Mesomorphie kann in athletische und normale Form unterteilt werden.

Der/die endomorphe Typ hat eine eher weiche Muskulatur, kurze Arme und Beine. Dazu kommt ein auffallend rundes Gesicht, ein kurzer Hals, glatte und weiche Haut, breite Hüften, starke Fettaufspeicherung.

Der/die ektomorphe Typ wird charakterisiert durch den oftmals kurzen Oberkörper, lange Arme und Beine, schmale Füße und Hände sowie sehr geringe Fettspeicherung. Erkennbar sind ein eher kleiner Brustkorb und schmale Schultern, meist lange, dünne Muskeln.

Da es nicht möglich war, den individuellen Menschen als solches in eine klare Typologie zusammen zu fassen, ist die Körpertypologie alleine gelassen nicht brauchbar – außer in der Sportmedizin, um ein dem Körperbau angepasstes Trainingsprogramm zu erstellen – in Verbindung mit der Hirnforschung jedoch, seit Mitte der Sechziger Jahre schon.

Seit den Forschungen von Prof Dr. Paul D. MacLean und die Entdeckung des Drei-Einigen-Gehirns (Triune Brain) und den daraus erzielten Erfahrungen kann man die Körpertypologie sehr wohl unterstützend bei der Selbst- und Menschenkenntnis  verwenden.

In jedem meiner Seminare erlebe ich das immer wieder.