Ich bin heute morgen zum ersten mal bei einem entfernten Bekannten über die Hintertreppe in seine Wohnung geleitet worden. Ich kenne seit Jahren nur seine Vordertreppe, ganz in Marmor gehalten. Künstlerisch-geschmiedete Handläufe auf gedrechselten Holzstäben machen einen pompösen Eindruck, jedoch heute die Hintertreppe.

Mein Bekannter fährt einen sehr teuren Wagen, er steht immer vor dem Haupteingang, sowie auch heute, warum dann heute der Nebeneingang. Das gab es ja noch nie. Ich machte mir schon so meine Gedanken.

Mein Bekannter trägt immer Maßanzüge und alles ist vom feinsten. Warum gehe ich die Hintertreppe, ist da was passiert, gibt es Probleme?

Ich betrete den ersten Raum und sehe dort meinen Bekannten, er sitzt dort im Jogginganzug und lacht mich an. Im ersten Augenblick vermute ich ein eher verzweifeltes Lächeln, da muss etwas passiert sein.

Mein Bekannter begrüßt mich freundlich wie noch nie, jetzt bin ich mir sicher, irgend etwas schlimmes ist passiert.

Ich frage ihn, was denn passiert sei, weil ich heute zum ersten Mal überhaupt über die Hintertreppe in sein Haus gelange, ob er Hilfe brauche.

Er sagte mir, ihm sei bewusst, dass es nicht der übliche Zugang sei, das Treppenhaus sei nicht so schön, eher nüchtern und blass. Nur man käme genauso sicher nach oben wie mit der anderen, jedoch bräuchte man sich auf der Hintertreppe nicht passend in Schale schmeißen, man könne so kommen und sein wie man ist.

Er wolle mir zum ersten Mal auch zeigen wie er ist, denn in meiner Gegenwart brauche er keine Rolle mehr.

Für mich war das sehr lehrreich zu erkennen, dass ich immer noch viel mehr auf meine Gedanken achten muss. Mein Denken betrachtete die Hintertreppe als Zeichen des Untergangs, in Wirklichkeit war es der Weg zu Vertrauen und Freundschaft.