„Jeder Mensch lebt gleichsam in einem Gehäuse von Wertungen. Nur durch die Fenster dieses Gehäuses gewahrt er die Welt und sich selbst. Dabei meint aber jeder, sein Gehäuse sei kein Gehäuse und er sehe die Welt, wie sie ist.“

Max Scheler, deutscher Philosoph, Anthropologe und Soziologe

Manchmal sagt man anderen Menschen nach, sie sehen die Welt durch ihre Brille, da ist schon etwas dran. Jeder Mensch hat seine eigene, individuelle Sichtweise und Wahrnehmung der Welt. Nehmen wir ein einfaches Beispiel:

Wahrnehmung 2Wenn sie auf diese Abbildung sehen und sie entscheiden sich dafür, die Behauptung aufzustellen, dass hier eine Vase abgebildet sei, ich jedoch behaupte, hier sehen wir doch eindeutig zwei sich gegenseitig ansehende Gesichter, lügt dann einer von uns? Natürlich nicht. Unsere Gehirne haben nur unterschiedliche Wahrnehmungen von der Abbildung. Beide haben wir Recht, jedoch führen solche unterschiedlichen Wahrnehmungen oft zu Auseinandersetzungen, denn jeder glaubt ja, die Welt sei so, wie er sie sieht. Unsere Wahrnehmung (wir nehmen es für Wahr) ist nun einfach subjektiv, daher erwarten sie bitte niemals eine nützliche Antwort, wenn jemand einen Satz beginnt mit „lass uns doch mal objektiv sein“.

Ein anderes Beispiel: Sie stehen mitten auf einem Marktplatz, und jemand winkt ihnen zu, sie sind verunsichert, kenne ich die Person, jedoch winkt sie immer stärker und kommt auf sie zu. Ihre Stimmung hellt sich auf, denn die Person ist sehr attraktiv, sie wissen zwar nicht woher sie sie kennen, aber egal. Sie ist schon fasst bei ihnen, da küsst sie einen andere Person zwei Meter vor ihnen … Zum Glück hat die Situation ja sonst keiner so Wahrgenommen, wie sie 🙂 .

Jonny-Hofer-by-Rosemarie-Hofer-Blog115Eine ganz andere Frage der Wahrnehmung, als die zu meiner Umwelt, stellt sich, wenn es um die Wahrnehmung meines eigenen Ich´s geht. Nehme ich mich wahr, bin ich wirklich so wie ich bin? Sehr viele Menschen nehmen sich selbst eben nicht so wahr oder für wahr, so wie sie wirklich sind. Oft spielen sie Rollen, die ihnen antrainiert, aufgezwungen oder anerzogen wurden. Die große Herausforderung eines Lebens ist es, der zu werden, der man ist. Um in kleinen Schritten wieder dort hinzukommen, fangen sie einmal an, jeden Tag in einen Block einzutragen, was sie besonders gut können, was sie besonders gerne machen, was sie besonders schön finden, was sie besonders lieben. Wenn ihnen nichts Neues mehr einfällt, schreiben sie die Dinge auf, die ihnen spontan einfallen, auch wenn sie diese bereits aufgeschrieben haben. Nach ein paar Monaten, machen sie eine Liste in der sie alles auflisten, was sie aufgeschrieben haben, eventuell sogar nach Häufigkeit sortiert und leben einmal einen Urlaub lang so, dass sie alle diese Dinge tun oder ausprobieren. Sie werden sich wundern ….