Sicher haben sie schon oft gelesen oder gehört, wie super es ist, wenn Paare ein oder mehreren gemeinsamen Hobbies in ihrer Freizeit nachgehen. Es schweißt zusammen, es verbreitet Harmonie in der Beziehung usw. Ich habe es auch von Freunden vernommen, auch habe ich es in Ratgebern gelesen, in Zeitungen und Zeitschriften und wissen sie was, unumwunden sage ich ihnen, es kann manchmal passen, jedoch in vielen Fällen – NICHT!

Natürlich haben meine Frau und ich auch solche Hobbies gesucht und gefunden. Vor vielen Jahren haben wir überlegt, dass wir beide gerne Fahrrad fahren. Also haben wir uns zwei Straßenräder gekauft und sind zusammen losgefahren – damit begann allerdings zuerst mein Leiden und das meiner Frau. Nein nicht wegen irgendwelcher Verletzungen, jedenfalls keine körperlichen, es war eher ein gedankliches Leiden.

Jonny-Hofer-by-Rosemarie-Hofer-Blog121Als wir losgefahren sind, waren wir uns einig, wie schön das Gefühl ist, wenn der Wind durch die Haare weht, nur hatten wir wohl unterschiedliche Vorstellungen wie er da hinkommt. Ich fuhr in gebückter Rennfahrerhaltung mit einem Affenzahn davon und siehe da, der Wind wehte durch meine Haare, genauso sollte es sein. Nur wo war denn meine Liebste? Die fuhr weit hinter mir in aufrechter Haltung, sodass der entgegenkommende Wind sie auch wirklich treffen konnte und war er noch so gering, schaute sich die Gegend an und freute sich – ich wartete und zwar eine ganze Weile! Nach ein paar sinnlosen Wiederholungen meinerseits und dem ständig gleichbleibenden Fahrstil meiner Liebsten wurde es nervig, für uns beide. Wir versuchten es danach noch ein paar Male in zwei verschiedenen Versionen, bei einer fuhren wir beide schnell und schnittig, bis meine Frau keine Lust mehr hatte, danach fuhren wir beide gemütlich, die Natur betrachtend, bis ich keine Lust mehr hatte. Irgendwann fuhr dann doch jeder für sich und siehe da, beiden ging es gut!

Jahre später starteten wir noch einen Versuch mit Mountainbikes, nun was soll ich dazu schreiben, ich heizte wie ein Trottel – „action“ – durch die Wälder ohne Pause, meine Frau blieb immer wieder stehen um die Waldluft zu genießen, den Ameisen zuzusehen oder die Vögel zu beobachten, auch musste ich immer wieder warten, da immer wenn uns andere Fahrer entgegen kamen, sie erst einmal noch eine freundliche Unterredung begann.

Sie sehen, bei uns klappt es nicht so ganz, wir haben es auch mit anderen Hobbies versucht, nur haben wir irgendwann festgestellt, dass wir doch zu verschieden sind. Jetzt geht jeder seinem Hobby nach, dieser Druck auf der Partnerschaft ist weg und uns geht es besser. Wir sind immer noch verheiratet!

Natürlich gibt es Paare die gemeinsame Hobbies finden und ausleben, das ist gut so, jedoch sollte man nicht unter Zwang versuchen eins zu finden, die Partnerschaft wird wegen eines Hobbies nicht besser und nicht schlechter. Eine Partnerschaft leidet wenn, dann eher unter Verständnislosigkeit der Partner.

Wie in verschiedenen Artikeln auf meinem Blog bereits beschrieben, sieht ein jeder aus seiner Sicht die Welt, jeder ist individuell unterschiedlich, jeder eine andere Persönlichkeit – so sollte es zumindest sein.

Bei vielen Dingen sind wir uns einig, wir mögen oft das gleiche Essen, bei den Getränken sind wir auch nicht weit voneinander entfernt, was Erziehung anbelangt haben wir ähnliche Vorstellungen. Viele Dinge des täglichen Lebens sind uns gleichermaßen angenehm.

Nein, Liebe bedeutet nicht, mit aller Macht den anderen zu zwingen oder sich zu unterwerfen, sondern die gemeinsame Zeit so angenehm wie möglich zu nutzen. Glückliche Paare akzeptieren den anderen mit all seinen Eigenschaften und Eigenarten, so wie er ist.

Und wenn alle Stricke reißen, dann gibt es eine gemeinsame Aktivität die glückliche Paare immer gerne zusammen machen – Sex!

Durch die Leidenschaften lebt der Mensch, durch die Vernunft existiert er bloß.

Nicolas Chamfort