Der Film – Originaltitel „12 angry men (12 wütende Männer)“ – in seiner Original-Kinofassung von 1957 gilt bei Soziologen und Psychologen bis heute als ein Musterbeispiel zur Anschauung von Rollenverhalten, Gruppenverhalten und gruppendynamischen Prozessen, für mich allerdings noch mehr, für das trainieren von Menschenkenntnis.

Zur Story:

Am Ende des Mordprozesses um einen18-jähriger Puertoricaner aus den Slums, der des Mordes an seinem Vater beschuldigt wird, ziehen sich die zwölf Geschworenen nach sechs Verhandlungstagen in das Geschworenenzimmer des Gerichts zurück, um über das Urteil zu beraten, welches einstimmig gefällt werden muss. Der erwartete Schuldspruch gegen den Angeklagten scheint besonders aufgrund zweier eindeutiger Zeugenaussagen eine klare Angelegenheit und die Beratung scheint schnell beendet zu sein, doch in der ersten Abstimmung votiert der Geschworene Nr. 8 als einziger der zwölf Geschworenen für nicht schuldig, während die elf anderen den jungen Mann für schuldig erklären.

Geschworener Nr. 8, der im wahren Leben Architekt und Vater dreier Kinder ist, kann sich nicht entscheiden, ob der Angeklagte unschuldig ist, oder ob er  eindeutig Schuldig ist. Die anderen Geschworenen sind aus jeweils unterschiedlichen Motiven an einer raschen Beendigung der Beratung interessiert und drängen deshalb auf einen schnellen Schuldspruch. Gegen ihren Protest rekonstruiert im weiteren Verlauf der Beratung der Geschworene Nr. 8 – immer mehr unterstützt von denjenigen, die sich nach und nach auf seine Seite schlagen – den angeblichen Tathergang und deckt Ungereimtheiten in der Beweisführung der Staatsanwaltschaft auf.

Es gelingt ihm in hitzigen Auseinandersetzungen, die Argumente und die Vorurteile der Mitgeschworenen zu entkräften und sie wegen begründeter Zweifel vom Schuldspruch abzubringen. Als auch die zweite belastende Zeugenaussage in Frage gestellt werden muss, steht das Votum elf zu eins für „unschuldig“, und nur noch der aufbrausende und befangene Geschworene Nr. 3, der unter der langjährigen Trennung von seinem eigenen 22-jährigen Sohn leidet und seinen Hass auf den Angeklagten projiziert, ist von der Schuld des Angeklagten überzeugt. Er bricht jedoch letztlich unter dem Druck der elf anderen Geschworenen zusammen und schließt sich dem Freispruch des Angeklagten an.

Hier geht’s zum Originalfilm auf YouTube:
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http://youtu.be/s0NlNOI5LG0?t=19s

Was ist so interessant an dem Film, dass ich mir darüber Gedanken mache? Ich stelle mir vor, wie es ist, wenn ich der Rechtsanwalt des Angeklagten wäre. Zu meiner Aufgabe gehörte es dann, eine Strategie zu entwickeln um bei diesen zwölf Geschworenen dafür zu sorgen, dass es nicht zu einem einstimmigen Schuldspruch kommt. Ich müsste mindestens einen dieser Menschen überzeugen, dass die Beweise nicht so klar sind wie sie scheinen. Bei jeder Strategie im Leben, auch in ihrem, wenn sie es mit Menschen zu haben und das haben sie andauernd, dann müssen sie Widerstände und Ausflüchte derer überwinden und sie davon überzeugen auch ihre Sicht der Dinge zu akzeptieren. Natürlich hat jeder von uns seine Erfahrungen mit Menschen und somit ein gewisses Maß an Menschenkenntnis. Wenn sie Menschen in ihrer Individualität verstehen, können sie diese „richtiger“ individuell passender behandeln, sie kommen mit ihnen besser zurecht. Sie können sie auch für ihre Ideen und Pläne leichter gewinnen und ihre vermutliche Reaktion rechtzeitig vorhersehen.

Es ist somit wichtig jemanden zu verstehen, wenn man mit ihm in Verbindung treten möchte. Es ist wichtig, Gemeinsamkeiten zwischen ihnen und ihren Ansichten und die des anderen zu finden. Es ist letztlich egal, ob ich hier mit den Geschworenen, meinen Söhnen, meinen Geschäftspartnern oder anderen in Verbindung treten möchte, die Grundlage einer jeden Verbindung ist es, eine gemeinsame Basis für was auch immer zu finden. Jonny-Hofer-by-Rosemarie-Hofer-Blog123

Man kann sich die Fragen stellen, welche Abneigungen, Vorlieben, Ängste, Neigungen oder Vorurteile haben die Menschen oder was wünschen diese Menschen sich in ihrem Leben am meisten.

Es gibt viele Fragen die sie stellen können, sich im stillen ausdenken können, nur die Frage stellt sich, wie viel Zeit steht ihnen zur Verfügung?

Im Film können wir mit der Zeit die Dominanzen und Defizite der Geschworenen erkennen, die Zeit ist vorhanden, im Gerichtssaal allerdings, als Anwalt muss es schneller gehen. Geschworener Nr. 1 zeigt sich in der Diskussion als unsicher und um ständige oberflächliche Ordnung bemüht, das können sie im Gerichtssaal nicht erkennen – oder doch? Geschworener Nr. 2 ein kleiner, unsicherer Beamter wie es scheint, der mit zunehmender Diskussion immer sicherer wird, das können sie im Gerichtssaal nicht erkennen – oder doch? Geschworener Nr.3 ein grober, lautstarker, aufbrausender Mann, der sich immer mehr seiner sensiblen Seite ergeben muss, das können sie im Gerichtssaal nicht erkennen – oder doch? usw.

Ja, im Grunde kann man das. Seit ich Ende der 90er Jahre begonnen habe, mich mit Psychologie, Persönlichkeitstests, Gehirnforschung, Körperbau, Büchern, Videos und Seminaren zu allen diesen Themen zu beschäftigen, zuerst nur aus eigenem Interesse, später dann noch intensiver als Trainer und dann als Coach, habe ich festgestellt, dass man sehr wohl vieles bereits in kurzer Zeit erkennen kann. Ich habe die Charaktere dieses Films und die Schauspieler analysiert, habe dieses auch bei anderen Filmen getan, parallel im echten Leben, habe unsere Mitarbeiter, Kunden, Familienmitglieder analysiert. Mit der Zeit habe ich gelernt sogar Produkte und Texte zu analysieren …

Es gibt bestimmte Grundlagen, die es auch uns „normalen“ Menschen erlaubt zügig und einigermaßen sicher Menschenkenntnis zu erlernen, doch es gibt DIE Grundlage Nr. 1, die Selbstkenntnis, denn nur das Wissen über mich, erlaubt es mir, mich als Spickzettel zu nehmen, als Anhaltspunkt und wenn ich nicht ehrlich mit mir bin und authentisch, habe ich eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, bei anderen ihre Chancen, Möglichkeiten und Defizite zu erkennen.