Alle Argumente passen, sind logisch nachvollziehbar, es gibt keinen Ausweg, ich habe Recht! Mann, was für ein Triumph, was für ein Sieg – und die Antwort: “Ja Schatz du hast Recht!“ Da ist es, Mist, nein, um Gottes willen, mein Bauch – genauer, es beginnen die Bauchgefühle, die sagen, Mensch Jonny, den Kram hättest du dir jetzt sparen können.

Schnell zurück auf Reset, „Schatz, was meinst du denn dazu?“

Nein, kein Reset möglich, Recht haben ist Recht haben, gesagt ist gesagt und das Gefühl, daß ich meine Frau gerade um den Preis des „Rechthabens“ als Verliererin abgestempelt habe, ist nicht mehr zurückzunehmen.

Wie konnte ich nur so ein Idiot sein? Nur um Recht zu haben, auch wenn es zu 100% so wäre, dafür setze ich mein Glück aufs Spiel.

Ist mir mein Glück so unwichtig?

Was ist wichtiger, Recht zu behalten oder Glücklich zu sein?

Recht zu haben ist in einer Beziehung immer so eine Sache. Natürlich kann man Recht haben, jedoch muss man es nicht immer gleich bis zum Ende  durchziehen, denn in der Beziehung ist Rechthaben kein Kriterium für funktionierendes Glück. Überlegen sie mal, soll ihre Beziehung funktionieren? Ja – dann hören sie auf mit der Rechthaberei, denn sie führt zu nichts. Jeder Standpunkt den sie einnehmen, ist nur dann ein guter, wenn er funktioniert! Recht haben dürfen sie im Internet, auf der Arbeitsstelle, im Kreuzworträtsel oder beim Monopoly , jedoch werden sie feststellen, dass jedes mal, wenn sie mit aller macht Recht haben und behalten, ihr Partner sich klein und dumm vorkommt. Eine Beziehung ist keine Erziehung und auch kein Training für das Lymbische System, Kampf oder Flucht zu üben – nein es ist eine Partnerschaft. Es ist wichtig sich zu ergänzen und zu helfen, nicht zu gewinnen oder zu verlieren. Blog0913--2

Denken sie mal darüber nach, wie sie sich früher fühlten, wenn Mama und Papa ihnen sagten, was sie falsch gemacht haben und es ihnen gnadenlos beweisen konnten – es war erniedrigend! Kaum vorstellbar, dass sie sich sagten „sehr gut, das war eine wertvolle Lektion für mich und mein Leben, liebe Eltern“. Die Wortwahl ihres Inneren möchte ich nicht zitieren! Vorsichtig ausgedrückt ist es ihnen Bitter aufgestoßen, sie waren ein wenig verärgert, sie reagierten zum Abschluß des Gesprächs etwas feindselig.

Auf jeden Fall fühlten sie sich als Verlierer und das Interessante dabei, ihre Eltern auch.

Natürlich möchte ich nicht die Kommunikation unterbinden, natürlich darf und soll man auch mal seine Meinung aussprechen, nur kann man sich sehr verschieden unterhalten, nur ihr Ziel in einer Partnerschaft sollte sein, dass sie beide Glücklich sind.

Man muss nicht solange bohren, wie man Argumente hat. Es kann sein, dass ihr Partner einen nicht so guten Tag hat, also lassen sie es für dieses mal gut sein, verschieben sie es. Natürlich gibt es Situationen wo es um die Partnerschaft als solches geht, da muss ein Gespräch auch klar und deutlich geführt werden, jedoch eben auch verständnisvoll, mit Toleranz und Mitgefühl – das kann man lernen, am besten in Zeiten, wo alles super klappt.

Und mal ganz ehrlich, wann hat man schon zu 100% Recht?

Wenn sie mal einen alternativen Standpunkt einnehmen während sie sich gerade um Kopf und Kragen argumentieren, tut es ihnen nicht weh, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie darauf kommen, dass es auch noch andere Wahrheiten gibt. Lernen sie frühzeitig, nicht so selbstgerecht und tyrannisch zu sein. Ich kann ihnen versichern, dass ist es eben nicht, was eine funktionierende Beziehung ausmacht, nur funktionierende Dinge mache eine glückliche  Beziehung aus.

Ein Buchtipp dazu:   Mit Diplomatie zum Ziel