Jonny-Hofer-farbton-3-blogEs nagt an ihnen, jede Kleinigkeit nervt, bei jeder ach-so-kleinen Schwierigkeit fahren sie aus der Haut. Nicht nur psychisch, auch physisch wird es immer schlechter, denn sie haben Schlafstörungen und Albträume, sie fühlen sich dauerhaft schlapp, haben immer wieder Kopfschmerzen.

Woher kommt bloß dieser schleichende Prozess?

Sie habe diese Gefühle der Wut und des Zorns, immer wieder und wieder müssen sie daran denken, man hat ihnen weh getan – ja, dieser Vorfall, der sie so tief verletzte. Warum nur hat ihr Partner das getan? Am liebsten würden sie ihm/ihr ihre ganze Wut entgegenschleudern, jeden Tag, von morgens bis Abends, damit er/sie es auch kapiert. Leiden, ganz genauso leiden soll er/sie.

Nur hat dieser Gedanke, so verständlich er auch sein mag, einen gewaltigen Nachteil. Sie errichten eine gedankliche Mauer aus Hass und Wut rings um sie herum. Nur die Frage sei erlaubt, wer ist denn dann letztlich gefangen und eingemauert? Sie sind es, nicht der andere. Wenn diese negative Energie in ihrem Denken ihr Leben bestimmt, beraubt es sie ihre körperliche Gesundheit genauso, wie es sie auch der positiven Empfindungen beraubt. Sie verteilen ihren Zorn auch noch auf andere Menschen und Aspekte ihres Lebens. Es betrifft nun nicht mehr nur den Partner, es betrifft auch den Rest der Familie, die Freunde, die Kollegen und alle denen sie begegnen. Sie arbeiten nun kräftig daran, von anderen nicht mehr geliebt zu werden! War das die Ursprungsintention?

Natürlich verstehe ich, wenn sie jemanden, der sie tief verletzt hat, nicht einfach so vergeben – sie wollen ja nicht noch Tür und Tor für weitere Verletzungen öffnen, nur ist die Gefahr sehr groß, dass sie irgendwann auch sich selbst nicht mehr vergeben können. Auch sie haben schon anderen Menschen weh getan, auch ihnen musste vergeben werden, auch sie mussten sich selbst daraufhin vergeben. Natürlich muss der andere erfahren, dass er verletzt hat, natürlich muss er Konsequenzen spüren, natürlich müssen seine Freiheiten etwas eingeschränkt werde, natürlich.

Wenn sie allerdings ihr Leben einrichten inmitten von Wut, Zorn, Groll, Selbstmitleid und anderen lebensfeindlichen Eigenschaften, dann zerstören sie ihr Leben, nicht das des anderen. Wissen sie denn, welche Macht in der Vergebung steckt? Sie entscheiden wann, sie entscheiden wo, sie entscheiden wie – sie entscheiden, sonst niemand! Sie nehmen die Situation und seine Konsequenzen für sich selbst wahr und verzeihen. Es geschieht nicht der anderen Person zuliebe, sondern sich selbst zuliebe. Im Grunde übernehmen sie sogar damit die emotionale Führung – und dem Boss – tut keiner so schnell weh ….